Amor fati in den Selbstbetrachtungen von Marc Aurel

Kommentar zum Kapitel VII von Pierre Hadots
Innere Burg

Notiz:

Diese ist meine erste Arbeit auf Deutsch. Nach einem Jahr des Aufenthalts in Bern sind meine Deutschkenntnisse noch nicht auf einer genügenden hohen Stufe, damit mit Einfachheit philosophischen Themen zu behandeln. Deswegen werde ich einfache Sätze zu machen versuchen, um ich die wichtigsten Begriffe der Arbeit auszudrücken.
Ich danke Ihnen für Ihre Geduld und ihr Verständnis für die möglichen Fehler, die Sie in der Arbeit finden können. Hier habe ich nur mit den Werken von Nietzsche, „Wege zu sich Selbst“ und die Fotokopien von Hadot auf Deutsch gearbeitet.

Danke vielmals für Ihre Hilfe und Verständnis.

Mit freundlichen Grüssen,

Luis

 


  • Einleitung:

Pierre Hadot entwickelt in Kapitel VII seines Buches „Die Innere Burg“, das er den Selbstbetrachtungen von Marc Aurel gewidmet hat, Nietzsches Idee von amor fati vom Gesichtspunkt der stoischen Philosophie von Marc Aurel weiter. Dieser lateinische Ausdruck ist bei Nietzsche benutzt, der „Liebe zum Schicksal“ bedeutet, sagt man, dass nicht nur die Schicksal als Notwendigkeit annehmen müssen, sondern . Aber wir müssen nicht verstehen, dass nur (so bezieht sich das nur auf „wir“. Warum „nur wir“? Willst du sagen, „dass wir das Schicksaal nur als nötig annehmen müssen“ im Vergleich zurm Lieben der Notwendigkeit?) wir das Schicksal als nötig annehmen müssen, sondern dass dieselbe Notwendigkeit auch man liebt.

Alles geht, alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, alles grüßt sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins. (1)Friedrich Nietzsche. Dritter Teil von Also sprach Zarathustra, Der Genesende.

Das stimmt mehr oder weniger in gewissen (irgendeine: dann kennst du die Punkte nicht. Bei „gewiss“ kennst du die Punkte) Punkten, die wie sehen werden, mit der Tradition der Stoiker überein. Die einzige mögliche menschliche Freiheit beruht auf dem Wissen der Notwendigkeit des Schicksals und auf dem Wissen um die Begrenzungen, die die Natur uns auferlegt:

Nur das lieben, was einem selbst passiert und vom Schicksal gegeben wird. Denn was wäre angemessener? (2)Marc Aurel. Siebtes Buch, 57, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990

Pierre Hadot beginnt sein Kapitel über den amor fati mit drei Zitaten aus Friedrich Nietzsche. Er zitiert Texte von Ecce Homo (3)„Meine Formel für die Größe am Menschen ist amor fati: daß man nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Notwendige nicht bloß ertragen, noch weniger verhehlen – aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Notwendigen -, sondern es lieben…“
Friedrich Nietzsche: Ecce Homo. Warum ich so klug bin, 10.
, Nietzsche contra Wagner (4)„So wie meine innerste Natur es mich lehrt, ist alles Notwendige, aus der Höhe gesehn und im Sinne einer großen Ökonomie, auch das Nützliche an sich – man soll es nicht nur tragen, man soll es lieben… Amor fati: das ist meine innerste Natur. –„
Friedrich Nietzsche: Nietzsche contra Wagner. Epilog.
und den Nachgelassenen Fragmenten (5)„Es ist ganz und gar nicht die erste Frage, ob wir mit uns zufrieden sind, sondern ob wir überhaupt irgend womit zufrieden sind. Gesetzt, wir sagen ja zu einem einzigen Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst, sondern zu allem Dasein ja gesagt. Denn es steht nichts für sich, weder in uns selbst noch in den Dingen: und wenn nur ein einziges Mal unsre Seele wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten nötig, um dies eine Geschehen zu bedingen – und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres Jasagens gutgeheißen, erlöst, gerechtfertigt und bejaht.“
Friedrich Nietzsche: Aus dem Nachlass der Achzigerjahre, 27.
. Wir können auch das folgende Zitat von einem Aphorismus von Die fröhliche Wissenchaft sehr gut gebrauchen, um den Begriff amor fati aufzuklären:

„Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Häßliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, alles in allem und großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Jasagender sein!“ (6) Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenchaft. Viertes Buch. Sanctus Januarius.

In den folgenden Punkten werden wir versuchen, die Unterschiede und die Ähnlichkeiten zwischen den Gedanken von Nietzsche und dem Gesichtspunkt von Mark Aurel zu vertiefen.

Die Moral von Nietzsche ist das vollständige Gegenteil von der Moral in der christlichen und in der hellenistischen Philosophie, aber es ist auch sicher, dass seine Gedanken von der hellenistischen Philosophie beeinflusst wurden. Der heldenhafte und tragische Charakter von dem authentischen Dasein in Nietzsche hat viel von der stoische Philosophie. Ich glaube, dass der Parallelismus mit amor fati möglich ist, weil für beide das Sein nicht als Anwesenheit verstanden wird.

Durch Nietzsche gibt es ein Vorher und ein Nachher in der Geschichte der Philosophie, weil er die moderne Tradition, die mit Descartes beginnt, bricht. Descartes und die Moderne verstanden das Sein als Anwesenheit, die Realität als Objekt. Nach Nietzsche wird dieses Schema nicht mehr Gültig sein, weil er den Nihilismus seiner Epoche – der Unsrigen – zu überwinden versucht. Dieses Schema von Descartes war auch für Marc Aurel nicht gültig, wenn auch von einer anderen Perspektive. In Marc Aurel ist der logos mit der Materie zusammen. Es gibt für ihn nur Körperliches und es gib nur ein letztes Prinzip. In Anlehnung an Heraklit glaubt er an eine dem Weltganzen innewohnende (immanente) Gesetzlichkeit, die er unter anderem auch Gott und Vorsehung nennt. Da diese Göttlichkeit mit dem lebendigen Weltganzen zusammenfällt, ist seine Lehre pantheistsch. Dieser Pantheismus bricht auch, in andere Wege, mit dem Sein als Anwesenheit verstanden. So geht die Dualität, die Platon und Aristoteles hatten, mit der hellenistischen Philosophie vergessen. Nach der hellenistischen Philosophie kommt die Scholastik, der Weg in die Moderne beginnt.

Also können wir sagen, dass sowohl in Nietzsche als auch in Marc Aurel die echte ontologische Frage nach dem Sein formuliert ist. Und hier ist der gegenwärtige Augenblick sehr wichtig, wie wir sehen werden. Daraus folgt, dass beiden der praktische Charakter in ihren Philosophien sehr wichtig war. Die Ethik, die Logik und die Physik im Stoicismus führen alle dazu, durch geistige Übungen eine bestimmte Lebensform zu erreichen. Das Ziel ist immer eine konkrete Lebensform (7)Pierre Hadot. ¿Qué es la filosofía antigua? VII.Las escuelas helenísticas. (Originell : « Qu’est-ce que la philosophie antique? » 1995 Editions Gallimard, París) . In den Gedanken von Nietzsche ist die Verherrlichung des Lebens eine Konstante in all seinen Werken.

Von dieser Perspektive von amor fati werden wir den gegenwärtigen Augenblick in Marc Aurel besser verstehen können. Durch die Besprechung der folgenden Punkte werden wir Parallelen ziehen können:

  1. Die ewige Wiederkehr
  2. Begriffe von Kausalität
  3. Das heilige Ja-sagen

 

  1. Die ewige Wiederkehr

Immer also an diese beiden Dinge denken: erstens, dass alles seit Ewigkeiten gleichartig ist und sich in ständigem Kreislauf wiederholt und dass es ohne Bedeutung ist, ob jemand in hundert oder zweihundert Jahren oder in unendlicher Zeit dasselbe sehen wird; zweitens, dass der am längsten Lebende dasselbe verliert wie der andere, der sehr früh sterben muss. Denn nur das Gegenwärtige wird einem weggenomen, jedenfalls dann, wenn man nur dies besitz und nicht verliert, was man nicht hat. (8)Marc Aurel. Zweites Buch, 14, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.

Das Feuer, das Symbol des Logos in Heraklit, war auch von Zenon als Grund von der stoischen Physik angenommen worden. Das Ziel des Menschen, das ihm allein innere Befriedigung und Glück bringen kann, muß das sein, mit sich einstimmig (homologoumenôs, in Übereinstimmung mit der Natur -mit dem logos- zu leben), sich selbst getreu (Zenon) oder, wie Kleanthes es ausdrückte, mit der Natur (tê physei) einstimmig, der Natur gemäß zu leben.

Der logos ist in allen Dingen wie lógoi spermatikoi, die wie Samen von allen Ereignissen (oder jedem Ereignis) sind. (9)Alles entsteht durch Verwandlung, und die Natur liebt nichts so sehr, als das Vorhandene umzumodeln und Neues von ähnlicher Art zu erzeugen.  Jedes Einzelwesen ist gewissermaßen der Same eines zukünftigen, und es wäre eine große Beschränktheit, nur das als ein Samenkorn anzusehen, was in die Erde oder in den Mutterschoß geworfen wird. (IV, 36)

So wie die Welt ewig ist und der logos ist immer gleich, werden sich alle Ereignisse wiederholen in einer ewigen Wiederkehr, einmal und immer wieder.

Die Welt hat grosse kosmische Zyklen, kosmische Kreisläufe, mit einer bestimmten Dauer. Am Ende von jedem Zyklus beginnt alles wieder, auch wir selbst.
Jeder Zyklus hört im Feuer auf, wo die Elemente, die in jedem Körper sind (Wasser, Luft und Erde), wieder kommen. Auf diesem Weg beginnt noch ein Kreislauf. Hadot sagt:

„Bei Marc Aurel wie auch bei Epiktet ist die liebende Zustimmung zum Ereignis, das uns begegnet, nicht an die stoische Doktrin der ewigen Wiederkehr gebunden, derzufolge die Welt sich ewig wiederhole, weil das Vernunft-Feuer, das sich in der Welt entfalte, einer fortwährenden Bewegung von Diastolen und Systolen unterworfen sei, das eine Abfolge von einander ganz gleichen Perioden erzeuge, während derer dieselben Ereignisse sich in gänzlich gleicher Weise wiederholen.“

Aber wie Hadot später sagt, tut sich zwischen den Stoikern und Nietzsche ein Abgrund auf. Nietzsche macht eine allegorische Darstellung der ewigen Wiederkehr in Also sprach Zarathustra (Vom Gesicht und Rätsel) und in Die fröhliche Wissenchaft (Das grösse Schwergewicht).
Nietzsche bindet die Liebe des Schicksals an den Mythos der ewigen Wiederkehr. Um das zu verstehen, müssen wir erst darlegen erklären , was amor fati und das heilige Ja-sagen sind.

2. Begriffe von Kausalität

Der Determinismus der Stoiker gründet auf einer Idee. Alles muss eine Ursache haben. Wie pneuma oder logos in allem sind, ist die Natur das leitende Prinzip des Universums:

„Alles passt mir, was dir gut passt, mein Cosmos. Nichts ist mir zu früh oder zu spät, was für dich zum richtigen Zeitpunkt geschient.“ (10)Marc Aurel. Viertes Buch, 23, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.

Wie Gott in der Ethik von Spinoza, ist bei den Stoikern logos die Ursache in allen Dingen (in der stoischen Theorie ist pneuma in allen Dingen). So ist die schöpferische Vernunft also verantwortlich für alle Dinge und Ereignisse . Aber das ist nur eine Perspektive.

Vom subjektiven Gesichtspunkt aus ist der logos, der für jeden Mensch die innere Struktur bestimmt, sein logos. Wir können das so sagen: das leitende Prinzip des Universums übernimmt eine eigene Identität in jedem Menschen.
Es ist richtig, dass der Charakter von einem Mensch durch den logos bestimmt ist, aber es ist auch richtig, dass dieser Mensch selbstbestimmt ist.
Der Begriff von Freiheit in Spinoza kann mit dem der Stoikern verglichen werden: für Spinoza ist ein Ding frei, wenn dieses Ding nur von sich selbst abhängt (Ethik, part. I, def.7).
Pierre Hadot sagt:

„Das Ich als Wille, als Freiheit, fällt mit dem Willen der Allvernunft, des durch alle dinge verbreiteten logos, zusammen. Das Ich als leitendes Prinzip fällt mit dem leitenden Prinzip des Universums zusammen.“

Nichts Gutes für das Ganze kann schlecht für den Teil sein. Erinneren wir uns, dass wir alle (oder „dass das denkende Individuum“) ein Teil des Ganzen sind, was sehr typisch für Marc Aurel ist (11)Mag die Welt ein Gewirr von Atomen oder ein geordnetes Ganzes sein, mein erster Grundsatz sei:  Ich bin ein Teil des Ganzen und stehe unter der Herrschaft der Natur. — ­Der zweite:  Ich hänge mit allen gleichartigen Teilen eng zusammen.  Eingedenk des ersten Grundsatzes werde ich nicht unzufrieden sein, was mir auch für Anteil am Ganzen zugedacht ist.  Es kann nichts einem Teil schaden, was dem Ganzen zuträglich ist.  Denn das Ganze enthält nichts, was ihm nicht selbst zuträglich wäre.  Sämtliche Wesen haben das miteinander gemein, daß sie von keinem ihnen äußerlichen Umstande gezwungen werden können etwas hervorzubringen, was ihnen selbst schädlich wäre.  Und dasselbe gilt natürlich auch von der ganzen Welt.  Was aber dem Ganzen nützt, kann dem Teile nicht schädlich sein, d.h. ich darf nicht klagen über das, was von dem All mir zugeteilt wird.  Sofern ich aber mit den mir gleichartigen Teilen zusammenhänge, werde ich nichts gegen das Gemeinwohl unternehmen, vielmehr werde ich, mit steter Rücksicht auf die mir gleichartigen Wesen, mein Streben ganz auf das gemeine Beste richten und vom Gegenteil ablenken.  Führe ich diese Vorsätze aus, muß mein Leben glücklich dahinfließen, so glücklich, als nach Erfahrung das Leben eines Bürgers verläuft, das von einer seine Mitbürger beglückenden Tat zur anderen fortschreitet und mit Freuden übernimmt, was ihm der Staat auch auferlegt.“ (X, 6). In dieser Betrachtung (X, 6) rechtfertigt die Idee von Teil im Ganzen sowohl die Kausalität als auch den Anblick der Welt als Stadt (ich weiss nicht, ob das „sowohl…als auch“ im Sinn richtig ist.), typisch auch in die Betrachtungen von Marc Aurel.

Trotzdem das Gedanke von Nietzsche alles andere wieder ist, weil vom seiner unvernunftmässigkeit Perspektiv nicht möglich ein Determinismus ist. Die Kausalität, eigen von Stoikers und danach von Kant, ist ein von die Objektivs dass Nietzsche angreifen. Nietzsche gibt das Recht zu Hume: Wir haben keine Erfahrung von die Kausalität, die nur ein leere Begriff ist. Das Warten von eine konstant Aufeinanderfolge von Ereignis kommt nicht von das Erkenntnis, sondern von eine einfache Sitte:

Ich halte die Phänomenalität auch der inneren Welt fest: alles, was uns bewußt wird, ist durch und durch erst zurechtgemacht, vereinfacht, schematisiert, ausgelegt, – der wirkliche Vorgang der inneren »Wahrnehmung«, die Kausalvereinigung zwischen Gedanken, Gefühlen, Begehrungen, zwischen Subjekt und Objekt ist uns absolut verborgen – und vielleicht eine reine Einbildung (12)Friedrich Nietzsche : Aus dem Nachlass der Achzigerjahre, 15.

In dieser Text angreift Nietzsche der cartesianische Begriff von Cogito in Descartes, aber können wir sehen dass er gegenteil nach alle Determinismus und eine äussere Ursache. In Nietzsche ist wichtiger das Ereignen als die Kausalität. In “Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn”, sagt er:

„Als ob es das einzig notwendige Bild sei und als ob jenes Verhältnis des ursprünglichen Nervenreizes zu dem hergebrachten Bilde ein strenges Kausalitätsverhältnis sei: wie ein Traum, ewig wiederholt, durchaus als Wirklichkeit empfunden und beurteilt werden würde. Aber das Hart- und Starr-Werden einer Metapher verbürgt durchaus nichts für die Notwendigkeit und ausschließliche Berechtigung dieser Metapher.“ (13)Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn, 1.

In meiner Meinung könnte Spinoza in diese Begriff von Kausalität wie eine Brücke zwischen Nietzsche und Marc Aurel sein. Für Spinoza ist Gott die effiziente Ursache, aber die Ursache es ist nicht vor in der Zeit als seine Effekt. Es ist eine Unzeitlich Verbindung, wie die verbindung zwischen Prämisse und ein logisch Argument. Ich glaube, dass diese unzeitliche Verbindung in der stoische Kausalität auch ist, und das würde das Grund für ein „ amor fati“ im Gemeinsam zwischen Nietzsche und Marc Aurel sein. Ich glaube, dass das der Sinn von Hadot auch ist. Er zitiert Wittgenstein, um das zu illustrieren:

„Wenn man unter Ewigkeit nicho unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt” (14)L. Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, 6, 4311

3. Der heiliges Ja-sagen

„Ich aber bin ein Segnender und ein Ja-Sager, wenn du nur um mich bist, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! – in alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.
Zum Segnenden bin ich worden und zum Ja-Sagenden: und dazu rang ich lange und war ein Ringer, daß ich einst die Hände frei bekäme zum Segnen.“ (15)Friedrich Nietzsche: Dritter Teil. Also sprach Zarathustra: Vor Sonnen-Aufgang

Das heilige Ja-sagen in Nietzsche is andere Weise, damit das Leben und der gegenwärtige Augenblick zu verherrlichen. Die Liebe zum Schicksal ist auch eine positive Haltung mit der Realität von der Gegenwart. Aber ein heiliges Ja-sagen geht weiter, weil auch eine Überwindung von dem Sein als Anwesenheit verstanden ist, wie wir in die Einleitung sagten. Nietzsche illustriert es mit seiner bekannten „drei Verwandlungen“. Das Kind ist das Bild von einem heiligen Ja-sagen:

Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen.
Ja, zum spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich den Weltverlorene.
Drei Verwandlungen nannte ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele ward, und zum Löwen das Kamel, und der Löwe zuletzt zum Kinde. – (16)Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Die Reden Zarathustras: Von den drei Verwandlungen.

Sowohl in Nietzsche als auch in Marc Aurel bedeutet diese bejahende Haltung mit dem Schicksal den Objektiv ihrer Philosophie. In beide Autoren sind Zukünft und Vergangenheit nicht wichtig , sondern in der Gegenwart, wo die Handlung ist.

O meine Seele, es gibt nun nirgends eine Seele, die liebender wäre und umfangender und umfänglicher!
Wo wäre Zukunft und Vergangenes näher beisammen als bei dir? (17)Friedrich Nietzsche: Dritter Teil von Also sprach Zarathustra: Von der grossen Sehnsucht.

Man bejaht in Nietzsche den Augenblick nur danach von der ewigen Wiederkehr verstehen. Wir müssen zu erst die Schlange beissen. Das wird bei Nietzsche allegorisch von „Also sprach Zarathustra“, in „Vom Gesicht und Rätsel“ beschreiben. Hadot erkläret es so:

Das Schicksal lieben heisst demnach wollen, dass das, was ich in diesem Moment tue, und die Art und Weise, wie ich mein eigenes Leben lebe, sich ewig gleicherweise wiederholen; es heisst, jeden Augenblick so zu leben, dass ich eben diesen Augenblick, den ich lebe, ewig wieder leben will.

In Nietzsche erscheint das in Das grösse Schwergewicht. So das heilige Ja-sagen ist immer der Augenblick zu bejahen, trozdem es immer wiederholt:

willst du dies noch einmal und noch unzählige Male?« würde als das größte Schwergewicht auf deinem Handeln liegen! Oder wie müßtest du dir selber und dem Leben gut werden, um nach nichts mehr zu verlangen als nach dieser letzten ewigen Bestätigung und Besiegelung? (18)Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenchaft. Viertes Buch. Sanctus Januarius. 341. Das grösse Schwergewicht.

In Marc Aurel begründet die Bejahung von der Gegenwart, als wir schon gesehen haben, in die kösmische Vernunft-Feuer, dass auch der Hegemonikon ist. Die Zükunft und die Vergangenheit sind nicht da (existieren nicht):

Blick doch zurück in die Unendlichkeit der verflossenen Zeit und nach vorn in die Grenzenlosigkeit der Zukunft. Wie unterscheidet sich darin das Leben eines nur drei Tage alt gewordenen Kindes vom Leben eines „dreifachen“ Nestors?  (19)Marc Aurel. Viertes Buch, 50, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.

Es macht, dass Marc Aurel eine materialistische Ansicht von der Realität hat, dass wir übungen müssen. Die Materie ist, was eigenlich es gibt , die übrigen konventionell ist. Diese Ansicht von der Materie ohne menschliche Bedeutung ist auch im Gedanke von Nietzsche, aber für Marc Aurel die Vernunft ist auch mit der Materie zusammen (inmanente):

“… und der Gebrauch zu dem, was dir zustösst, feststellt: „Ich habe dich gesucht. Denn das jeweils Vorhandene ist mein Material für die Verwirklichung der vernünftigen und gemeinschatsbezogenen Tugend und überhaupt der Kunst eines Menschen oder Gottes.“ (20)Marc Aurel. Siebtes Buch, 68, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990

Für Aufhören, kann man auch sagen, dass Marc Aurel den gegenwärtigen Augenblick für andere Pünkten von seiner Philosophie benützt zu erklaren. Zum Beispel der Tod und das Gerücht danach zu sterben. Das Gerücht ist nichts, wenn wir aus der Ewigkeit es sehen (VII 19).
Marc Aurel spricht oftmals auch über das Wissen zum Sterben. Der Hegemonikon kann und muss bis das Ende frei sein . (21)Zum Beispel: Wie du es nicht mehr für wichtig hieltest, wenn dir einer von den Göttern gesagt hätte, du würdest morgen, bestimmt aber übermorgen sterben, ob es eher übermorgen als morgen passieren würde, wenigstens wenn du nicht ein ausgesprochen erbärmlicher Wicht wärest (wie gross ist denn der Unterschied?), so bedenke auch, dass es nicht von grosser Bedeutung ist, ob er erst in vielen Jahren oder morgen der Fall ist. (IV-47)

In Nietzsche haben wir auch ein heiliges ja-sagen bis seinen letzten Atemzug:

Meine Sehnsucht nach diesem Lachen frißt an mir: o wie ertrage ich’s noch zu leben! Und wie ertrüge ich’s, jetzt zu sterben! – (22)Friedrich Nietzsche. Vom Gesicht und Rätsel. In Also sprach Zarathustra, dritter Teil.


Referencias   [ + ]

1. Friedrich Nietzsche. Dritter Teil von Also sprach Zarathustra, Der Genesende.
2. Marc Aurel. Siebtes Buch, 57, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990
3. „Meine Formel für die Größe am Menschen ist amor fati: daß man nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Notwendige nicht bloß ertragen, noch weniger verhehlen – aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Notwendigen -, sondern es lieben…“
Friedrich Nietzsche: Ecce Homo. Warum ich so klug bin, 10.
4. „So wie meine innerste Natur es mich lehrt, ist alles Notwendige, aus der Höhe gesehn und im Sinne einer großen Ökonomie, auch das Nützliche an sich – man soll es nicht nur tragen, man soll es lieben… Amor fati: das ist meine innerste Natur. –„
Friedrich Nietzsche: Nietzsche contra Wagner. Epilog.
5. „Es ist ganz und gar nicht die erste Frage, ob wir mit uns zufrieden sind, sondern ob wir überhaupt irgend womit zufrieden sind. Gesetzt, wir sagen ja zu einem einzigen Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst, sondern zu allem Dasein ja gesagt. Denn es steht nichts für sich, weder in uns selbst noch in den Dingen: und wenn nur ein einziges Mal unsre Seele wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten nötig, um dies eine Geschehen zu bedingen – und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres Jasagens gutgeheißen, erlöst, gerechtfertigt und bejaht.“
Friedrich Nietzsche: Aus dem Nachlass der Achzigerjahre, 27.
6. Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenchaft. Viertes Buch. Sanctus Januarius.
7. Pierre Hadot. ¿Qué es la filosofía antigua? VII.Las escuelas helenísticas. (Originell : « Qu’est-ce que la philosophie antique? » 1995 Editions Gallimard, París)
8. Marc Aurel. Zweites Buch, 14, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.
9. Alles entsteht durch Verwandlung, und die Natur liebt nichts so sehr, als das Vorhandene umzumodeln und Neues von ähnlicher Art zu erzeugen.  Jedes Einzelwesen ist gewissermaßen der Same eines zukünftigen, und es wäre eine große Beschränktheit, nur das als ein Samenkorn anzusehen, was in die Erde oder in den Mutterschoß geworfen wird. (IV, 36
10. Marc Aurel. Viertes Buch, 23, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.
11. Mag die Welt ein Gewirr von Atomen oder ein geordnetes Ganzes sein, mein erster Grundsatz sei:  Ich bin ein Teil des Ganzen und stehe unter der Herrschaft der Natur. — ­Der zweite:  Ich hänge mit allen gleichartigen Teilen eng zusammen.  Eingedenk des ersten Grundsatzes werde ich nicht unzufrieden sein, was mir auch für Anteil am Ganzen zugedacht ist.  Es kann nichts einem Teil schaden, was dem Ganzen zuträglich ist.  Denn das Ganze enthält nichts, was ihm nicht selbst zuträglich wäre.  Sämtliche Wesen haben das miteinander gemein, daß sie von keinem ihnen äußerlichen Umstande gezwungen werden können etwas hervorzubringen, was ihnen selbst schädlich wäre.  Und dasselbe gilt natürlich auch von der ganzen Welt.  Was aber dem Ganzen nützt, kann dem Teile nicht schädlich sein, d.h. ich darf nicht klagen über das, was von dem All mir zugeteilt wird.  Sofern ich aber mit den mir gleichartigen Teilen zusammenhänge, werde ich nichts gegen das Gemeinwohl unternehmen, vielmehr werde ich, mit steter Rücksicht auf die mir gleichartigen Wesen, mein Streben ganz auf das gemeine Beste richten und vom Gegenteil ablenken.  Führe ich diese Vorsätze aus, muß mein Leben glücklich dahinfließen, so glücklich, als nach Erfahrung das Leben eines Bürgers verläuft, das von einer seine Mitbürger beglückenden Tat zur anderen fortschreitet und mit Freuden übernimmt, was ihm der Staat auch auferlegt.“ (X, 6
12. Friedrich Nietzsche : Aus dem Nachlass der Achzigerjahre, 15.
13. Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn, 1.
14. L. Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, 6, 4311
15. Friedrich Nietzsche: Dritter Teil. Also sprach Zarathustra: Vor Sonnen-Aufgang
16. Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Die Reden Zarathustras: Von den drei Verwandlungen.
17. Friedrich Nietzsche: Dritter Teil von Also sprach Zarathustra: Von der grossen Sehnsucht.
18. Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenchaft. Viertes Buch. Sanctus Januarius. 341. Das grösse Schwergewicht.
19. Marc Aurel. Viertes Buch, 50, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990.
20. Marc Aurel. Siebtes Buch, 68, in “Wege zu sich selbst”, Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis Verlag München und Zürich, 1990
21. Zum Beispel: Wie du es nicht mehr für wichtig hieltest, wenn dir einer von den Göttern gesagt hätte, du würdest morgen, bestimmt aber übermorgen sterben, ob es eher übermorgen als morgen passieren würde, wenigstens wenn du nicht ein ausgesprochen erbärmlicher Wicht wärest (wie gross ist denn der Unterschied?), so bedenke auch, dass es nicht von grosser Bedeutung ist, ob er erst in vielen Jahren oder morgen der Fall ist. (IV-47)
22. Friedrich Nietzsche. Vom Gesicht und Rätsel. In Also sprach Zarathustra, dritter Teil.

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